Kleistau. Sieben Häuser, 22 Einwohner, eine Straße und eine Buswendestelle: Kleistau in der Altmark ist ein außergewöhnlich kleines Dorf. Einen offiziellen Titel als kleinstes Dorf Sachsen-Anhalts gibt es zwar nicht. Mit nur 22 Einwohnern gehört der Ort nach Angaben des MDR aber zweifellos zu den kleinsten Ortschaften des Landes.
Kleistau gehört zur Gemeinde Dähre. Die Bewohner leben auf Sichtweite voneinander entfernt. Alteingesessene und Zugezogene verbindet vor allem die Liebe zur Natur, die Ruhe und der Wunsch nach einem Leben abseits des Trubels. Trotz der Herausforderungen des Alltags können sich die Menschen dort kein anderes Zuhause vorstellen.
Treffpunkt Bushaltestelle
Wenn es etwas zu besprechen gibt, treffen sich die Einwohner nicht unbedingt im Rathaus. Im Ortskern gibt es nur einen Haltepunkt – und genau dort begrüßte Dähres Bürgermeister Jan Meine die Anwohner. Der 48-Jährige ist seit dem vergangenen Jahr Bürgermeister der Gemeinde, zu der Kleistau gehört.
Der Ort ist als Rundplatzdorf angelegt. Auf einer Fläche von 1,87 Quadratkilometern ist alles überschaubar, die sieben Häuser liegen rund um einen kleinen Platz. Ein Bürgergespräch am einzigen Haltepunkt wird damit zum Gespräch auf kurzem Weg. „Dass wir hier mal einen positiven Anlass haben, uns zu sehen, ist schön, sonst haben wir ja derzeit gerade viel Diskussion in der Gemeinde“, sagte Meine laut MDR bei seinem Treffen mit den Bewohnern.
Die Geschichte des Dorfes reicht weit zurück: Kleistau wurde erstmals 1443 erwähnt. Der Ort liegt drei Kilometer nordwestlich von Dähre am Grabower Graben. Weite Felder, Wiesen und kleinere Waldgebiete prägen die Landschaft. Außerdem ist Kleistau von denkmalgeschützten Fachwerkbauten geprägt; viele Fachwerkhöfe wurden über Generationen weitervererbt.
78 Jahre im Elternhaus
Anneliese Pletke ist eine der Bewohnerinnen, die Kleistau nie verlassen haben. Die Rentnerin lebt seit 78 Jahren in ihrem Elternhaus, in dem sie auch geboren wurde. Sie schätzt nach eigener Aussage besonders die Natur und den Wald rund um den Ort.
Ganz ohne Nachteile ist das Leben im Mini-Dorf allerdings nicht. Für manche Einkäufe müssen die Bewohner weite Wege zurücklegen. Pletke erzählt, dass sie solche Wege früher mit dem Fahrrad und zwei Kindern bewältigt habe. Heute empfindet sie die Abgeschiedenheit dennoch nicht als Grund, ihren Heimatort aufzugeben.
Die Dorfgemeinschaft wird unter den 22 Einwohnern gepflegt. Nachbarschaftshilfe gehört zum Alltag. Torsten Barthel, 57 Jahre alt, kam 1998 aus Leipzig auf den elterlichen Hof seiner Frau nach Kleistau. Heimweh nach der Großstadt habe er kaum, berichtet der MDR.
„Wir sehen uns regelmäßig, sagen uns 'Guten Tag' und wenn jemand mal Hilfe braucht, kann er gern den anderen anrufen oder vorbeikommen, komm ich brauch mal das und das, kannst du mir morgen mal helfen“
So beschreibt Barthel den Zusammenhalt im Ort. Für ihn und seine Familie gehören die Abgeschiedenheit und das Miteinander zusammen.
Gemeinde sucht Perspektiven
Während die Bewohner von Kleistau von ihrem Umfeld überzeugt sind, steht die Gemeinde Dähre vor größeren finanziellen und strukturellen Problemen. Bürgermeister Meine spricht von einem gesperrten Haushalt. Er arbeite deshalb daran, zusätzliche Gelder zu akquirieren. Eine Rolle könnten dabei erneuerbare Energien spielen, darunter Freiflächen-Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen.
Meine sieht in der Region zugleich Chancen. Bezahlbarer Wohnraum könne angesichts steigender Mieten in den Städten an Bedeutung gewinnen. Zusammen mit einer hohen Lebensqualität und dem Ausbau der digitalen Infrastruktur könnten sich daraus neue Perspektiven für Familien, Unternehmen und Fachkräfte ergeben.
Für die Menschen in Kleistau ist die Entscheidung längst gefallen: Sie schätzen ihr kleines Dorf inmitten der altmärkischen Landschaft – auch wenn der Alltag dort nicht immer kurze Wege bietet.