Sachsen-Anhalts Unternehmen bleiben bei Investitionen vorsichtig. Zwar hat sich die Geschäftslage im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem schwachen Jahresauftakt leicht verbessert, doch Erwartungen und Investitionspläne bleiben schwach. Für Unternehmen und Beschäftigte in Stendal liefert die aktuelle Konjunktureinschätzung damit vor allem ein Signal der Unsicherheit: Eine nachhaltige Erholung ist weiterhin nicht absehbar.
Die Industrie- und Handelskammern Magdeburg sowie Halle-Dessau melden eine leichte Verbesserung der Lage, sehen darin aber noch keine Trendwende. Besonders deutlich wird die Zurückhaltung bei den Investitionen im Bezirk der IHK Magdeburg.
Nur wenige Unternehmen wollen mehr investieren
Nach Angaben der IHK Magdeburg bewerten 20 Prozent der befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut. 25 Prozent stufen sie dagegen als schlecht ein. Mehr als ein Drittel blickt pessimistisch auf die kommenden Monate.
Bei den Investitionsplänen fällt das Bild noch zurückhaltender aus: Lediglich 13 Prozent der Unternehmen im Kammerbezirk wollen ihre Investitionen ausweiten. 43 Prozent planen dagegen Kürzungen. Der Geschäftsklimaindex stieg zwar um 10,4 Punkte auf 84,6 Punkte. Die IHK Magdeburg wertet diese Verbesserung jedoch noch nicht als wirtschaftliche Erholung.
Für die Unternehmen bedeutet das: Neue Vorhaben werden offenbar weiterhin vorsichtig geprüft. Die schwachen Investitionspläne betreffen dabei nicht nur einzelne Branchen, sondern spiegeln die insgesamt verhaltenen Erwartungen an die kommenden Monate wider.
Energie- und Arbeitskosten belasten Unternehmen
Als wichtige Risiken nennen die beiden Kammerbezirke hohe Energie- und Rohstoffpreise. Zusätzlich belasten steigende Arbeitskosten sowie unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen die Betriebe. Die Kammern fordern deshalb spürbare Entlastungen und bessere Bedingungen für Unternehmen am Standort.
Die IHK Halle-Dessau berichtet für das südliche Sachsen-Anhalt ebenfalls von keiner nachhaltigen Trendwende. Das Geschäftsklima bewegt sich dort weiterhin nahe der Nulllinie. Die zwischenzeitliche Verbesserung der Geschäftslage führt die Kammer unter anderem auf niedrigere Energiepreise und eine Entspannung der geopolitischen Lage zurück.
Industrie, Bau und Dienstleistungen unter Druck
Im Süden Sachsen-Anhalts bleibt die Kapazitätsauslastung vieler Industriebetriebe vergleichsweise niedrig. Im Baugewerbe wirkt sich vor allem die schwache Nachfrage im Wohnungsbau aus. Dienstleister kämpfen unterdessen mit hohen Personalkosten.
Für die Erhebung im südlichen Sachsen-Anhalt werden regelmäßig rund 600 Unternehmen einbezogen. Die IHK wertet deren Angaben nach Branchen gewichtet und saisonbereinigt aus. Nach Einschätzung der Kammern wird eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung in Sachsen-Anhalt ohne stärkere Investitionen vorerst ausbleiben.