Vier Kindertagesstätten in Salzwedel sollen Familien künftig mit Sprechstunden, individueller Beratung, Hilfe bei Behördengängen und Workshops unterstützen. Der Betriebsausschuss des Eigenbetriebs Kindertagesstätten stimmte am Dienstag einstimmig für die Teilnahme der Hansestadt am Landesprogramm „Empowerment für Eltern“.

Für das Vorhaben ist ein kommunaler Eigenanteil von 48.000 Euro vorgesehen. Das letzte Wort hat der Stadtrat in einer seiner nächsten Sitzungen. Zuvor befassen sich die zuständigen Fachausschüsse mit dem Thema.

Was hinter dem Programm steckt

Eltern-Empowerment kommt ursprünglich aus der Sozialpädagogik. Gemeint ist ein Ansatz, der Menschen dabei helfen soll, eigene Ressourcen zu erkennen und selbstbestimmt zu handeln. Im Familienalltag geht es darum, das Vertrauen in die eigene Erziehungskompetenz zu stärken und die individuellen Fähigkeiten einer Familie in den Mittelpunkt zu rücken.

Zum Konzept gehören außerdem der Aufbau von Netzwerken zwischen Familien, der Umgang mit überhöhten Erwartungen und die bewusste Entscheidung für einen eigenen Erziehungsstil. Die Angebote sollen nicht nur aus klassischen Beratungsgesprächen bestehen. Vorgesehen sind auch Kochkurse, Bildungsspaziergänge und andere Mitmachaktionen.

Die Initiative muss von den Kindertageseinrichtungen ausgehen. Hintergrund ist nach Darstellung der Beteiligten, dass sich betroffene Familien ihrer Schwierigkeiten häufig nicht bewusst seien oder sich nicht trauten, Unterstützung zu suchen.

Vier Einrichtungen sollen teilnehmen

Angemeldet werden sollen die Kitas Am Kronsberg, Max und Moritz und Schwalbennest sowie der Kindergarten Spatzennest. Ellen Tarras, stellvertretende Leiterin der Kita Max und Moritz, stellte das Projekt gemeinsam mit den Erzieherinnen Nicole Czinzoll und Michaela Naundorf vor.

Tarras verwies auf Situationen, in denen Eltern wichtige Informationen rund um den Bildungsweg ihrer Kinder nicht erreichten. Als Beispiel nannte sie Familien mit Migrationshintergrund, die nicht wussten, dass vor dem ersten Schultag eine Einschulungsfeier am Freitag stattgefunden hatte und deshalb nicht erschienen waren.

„Zuhause passiert da wenig“

Das Ziel sei, Eltern für einen anderen Umgang mit ihren Kindern zu sensibilisieren. Die zentrale Botschaft des Ansatzes lautet: Perfekte Eltern gibt es nicht, aber jede Familie kann ihren eigenen Weg finden.

Auslastung der Einrichtungen

Zum Stichtag 31. Juli wurden in den Einrichtungen der Hansestadt Salzwedel 978 Kinder betreut. Für das am 1. August begonnene kommunale Kita-Jahr rechnet Eigenbetriebsleiterin Doris Gensch mit 900 Kindern. Das wären 78 Kinder weniger als im Vorjahr.

Die Kinderkrippen waren zum 31. Juli zu 71 Prozent ausgelastet, die Kindergärten zu 78 Prozent. Weil 119 Kinder in die Grundschule wechselten, sind die Horte für die Nachmittagsbetreuung inzwischen vollständig ausgelastet. Neue Plätze können derzeit nur über eine Warteliste vergeben werden.

Der Rückgang und die Konkurrenz durch private Träger könnten nach Einschätzung der Eigenbetriebsleitung Auswirkungen auf die Elternbeiträge und den Ende des Jahres auslaufenden Ermäßigungsanspruch für Geschwisterkinder haben. Auch beim Essensgeld seien Änderungen zu beraten.