Beim Wahlforum zur Landtagswahl in der Marienkirche Gardelegen sind acht Direktkandidaten mit Fragen zu den wichtigsten Problemen der Altmark konfrontiert worden. Besonders kontrovers wurde es, als Pfarrer Tobias Krüger den AfD-Kandidaten Sebastian Koch auf dessen Forderung ansprach, den Kirchen staatliche Gelder zu entziehen.

Die Veranstaltung fand am Dienstagabend statt. Krüger begrüßte die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer mit dem Appell: „Miteinander reden sei besser, als gegeneinander“. Neben Koch nahmen Sandra Hietel-Heuer (CDU), Toni Klabis (Die Linke), Skady Herkenrath (SPD), Annelie Brune (FDP), Tobias Kremkau (Bündnis 90/Die Grünen), Paul Heitmann (Die Partei) und Frank Roßband (BSW) teil. Das Forum richtete sich an die Direktkandidaten im Wahlkreis 2.

Klimawandel und Trockenheit in der Altmark

Zu Beginn ging es um den Klimawandel, Trockenheit und Waldbrände. Toni Klabis forderte unter anderem wieder zwei Landesforstbetriebe, mehr Unterstützung für kleine Waldbesitzer und einen Ausbau erneuerbarer Energien. Tobias Kremkau stellte die Anpassung an die Folgen des Klimawandels in den Mittelpunkt. Für die Altmark müsse geklärt werden, wie Landwirtschaft künftig unter veränderten Bedingungen betrieben werden könne.

Sandra Hietel-Heuer verwies ebenfalls auf die notwendige Anpassung. Wegen des Wassermangels sei das Wassergesetz novelliert worden. Um wirksam gegen den Klimawandel vorzugehen, müssten alle Beteiligten einbezogen werden. Herkenrath sagte, das Thema sei wegen anderer Krisen zwar in den Hintergrund gerückt, bleibe aber „eines der größten Probleme“.

Bei der Diskussion über eine gemeinsame Energiepolitik verwies Kremkau auf offene Positionen der AfD. Koch sagte, die AfD stelle den menschengemachten Klimawandel in großen Teilen infrage. Eine gemeinsame Energiepolitik sei nach seiner Einschätzung dennoch ein Thema.

Benzinpreise und die langen Wege

Krüger griff anschließend Kochs Wahlplakat mit dem Slogan „Tanken ohne Tränen“ auf. Koch erklärte, die CO₂-Steuer werde nicht gebraucht und könne abgeschafft werden. Frank Roßband verwies auf Preisdeckel in anderen Ländern. Koch entgegnete, dass der Landtag die Tankpreise nicht beeinflussen könne.

Herkenrath stellte die Verbindung zwischen Kochs Plakat und der Debatte her: „Warum diskutieren wir über Tankpreise?“, fragte Koch. „Weil es auf Ihrem Plakat steht“, antwortete Herkenrath.

Ärztemangel und Zukunft des Klinikstandorts

Ein weiterer Schwerpunkt war die medizinische Versorgung. Hietel-Heuer bezeichnete es als „spannende Herausforderung“, Ärzte in die Altmark zu holen. Sie nannte die Schließung der Kinderklinik und der Geburtsstation in Gardelegen „frustrierend“ und sprach sich für eine Grundversorgung vor Ort aus. Ärzte könne sie jedoch nicht „backen“. Als einen Ansatz nannte sie das bereits geschaffene Zahnmedizin-Stipendium; weitere Stipendien könnten helfen.

Koch sagte, bei einer Veranstaltung zur Zukunft des Altmarkklinikums sei der Eindruck entstanden, der Standort Gardelegen solle „bewusst abbrennen lassen“ werden. Es gehe „nur um das Geld“, Profit stehe vor den Menschen. Hietel-Heuer widersprach unmittelbar. Koch sagte weiter voraus, das Klinikum werde „bald ein medizinisches Versorgungszentrum mit Notaufnahme sein“.

Paul Heitmann führte den Ärztemangel nicht auf die Bezahlung zurück. Entscheidend sei vielmehr, dass Ärzte gerne im ländlichen Raum leben wollten.

Kirchenfinanzierung und Umgang mit sozialen Medien

Nach einer Pause mit Orgelmusik fragte Krüger Koch direkt: „Sie wollen den Kirchen das Geld streichen. Wie kommen Sie dazu?“ Koch bezeichnete die Kirche als eine der wohlhabendsten Institutionen Deutschlands und kritisierte ihre politische Ausrichtung. Er sehe nicht ein, mit seinem Steuergeld eine Institution zu finanzieren, die gegen ihn, seine Wähler und deren politische Einstellung arbeite.

Kremkau hielt dagegen, dass auch die AfD Steuergeld erhalte und damit Politik mache. Koch unterschied zwischen Kirchen und Parteien: Kirchen bezögen Steuergeld von allen Steuerzahlern, Parteien erhielten staatliche Mittel dagegen anteilig nach ihren Wahlergebnissen.

Zum Abschluss ging es um Handynutzung in Schulen und eine mögliche Altersgrenze für soziale Medien. Roßband wollte Handys und Tablets aus der Grundschule verbannen und erst ab der sechsten Klasse wieder zulassen. Kinder sollten zunächst lesen, schreiben und rechnen lernen. Koch sagte, er finde soziale Medien gut, kritisierte aber, dass viele junge Menschen dadurch stark politisiert würden. Krüger verwies darauf, dass Koch selbst Teil solcher Radikalisierungsbemühungen sei.

Brune sprach sich gegen ein Verbot aus. Kindern müsse der richtige Umgang mit sozialen Medien erklärt werden. Die übrigen Kandidaten sahen dies ähnlich; Heitmann schlug ein Verbot sozialer Medien bis zum 18. Lebensjahr vor. Zum Ende erklang an der Orgel „Die Gedanken sind frei“. Welche Positionen die Wähler überzeugten, soll sich mit dem Ergebnis der Landtagswahl zeigen.