Für Tobias Perner ist die Entscheidung längst gefallen: Der 27-jährige Zimmermeister will in Immekath bleiben. Familie, Freundeskreis und sein Beruf verbinden ihn eng mit dem Altmarkdorf. Später soll er den väterlichen Zimmerei- und Dachdeckerbetrieb mit zwölf Beschäftigten übernehmen. Bis dahin arbeitet er weiter mit Holz, ist draußen auf Baustellen unterwegs und engagiert sich im Dorfleben.
„Für mich gibt es nur Immekath“, sagt Perner. Weg wollte er nach der Schule nie für längere Zeit. Im väterlichen Betrieb absolvierte er seine Ausbildung zum Zimmerer. Dass dieser Weg einmal in die Unternehmensnachfolge führen würde, zeichnete sich früh ab: Sein Vater hatte sich 2009 mit der Zimmerei- und Dachdeckerfirma selbstständig gemacht.
Handwerk statt Büro
Perner arbeitet nach eigenen Angaben gerne mit Holz und an der frischen Luft. Einen Bürojob kann er sich dagegen nur schwer vorstellen. „Stillsitzen ist nicht so meins“, erklärt er. Als Handwerker sehe er am Ende des Tages, was er geschafft habe. Holz sei außerdem ein nachhaltiger Werkstoff.
Für seinen Meisterabschluss verließ der Immekather seine Heimat allerdings für ein Jahr und arbeitete in Hannover. Als Ausflug in die größere Stadt reichte ihm diese Zeit. Hannover habe zwar Vorteile – etwa eine Straßenbahn und kurze Wege zum Einkaufen. Dauerhaft dort wohnen möchte Perner jedoch nicht. Dafür sei er zu stark in Immekath verwurzelt.
Auch seine Freundin, die aus Jeeben kommt, lebt inzwischen mit ihrem Freundeskreis in Immekath. Für beide war deshalb klar, dass sie dort ein Haus bauen. Gemeinsam sind sie im Vereinsleben aktiv: Sie machen beim Karneval mit, Perner ist außerdem Vorsitzender des Jugendklubs. Zusätzlich engagiert er sich bei der Feuerwehr. Ein eigenes Haus und ein Hund sorgen neben Beruf und Ehrenamt für weitere Aufgaben.
Bus verbessert Möglichkeiten, Autobahn fehlt
Eine Verbesserung gegenüber seiner Jugendzeit sieht Perner in der Busverbindung der Linie 300. Zwar hält der Bus nach Wolfsburg nicht direkt in Immekath. Von Neuferchau oder Kunrau aus eröffnet er aber Möglichkeiten, zum Einkaufen oder Ausgehen nach Niedersachsen zu fahren.
Mobilität bleibt für den 27-Jährigen trotzdem ein zentrales Thema. Eine Autobahn fehlt ihm besonders. Wer aus Immekath irgendwohin wolle, müsse zunächst lange über die Dörfer fahren. Das betrifft auch seinen Arbeitsalltag: Für die Baustellen der Firma, deren Aufträge bis Wolfsburg und darüber hinaus reichen, sind oft lange Anfahrten nötig. Beim Internet habe sich die Lage dagegen verbessert. Es funktioniere inzwischen schnell und zuverlässig.
Auch mehrere Freunde aus seinem Umfeld sind nach Studium oder Berufsausbildung wieder ins Dorf zurückgekehrt. Für Perner ist das ein Zeichen, dass das Landleben Perspektiven bieten kann. Er nennt die Ruhe und das soziale Umfeld als Vorteile der Altmark.
Wünsche an Schule und Dorfleben
Als Ausbilder erlebt Perner, dass junge Menschen grundsätzlich Interesse am Handwerk haben. In der Firma arbeitet derzeit ein Auszubildender; die Auszubildenden kommen aus der Region. Trotzdem wünscht sich der Zimmermeister, dass Schulen stärker auf handwerkliche Berufe und praktische Fragen des Lebens vorbereiten. Jugendliche sollten mehr darüber lernen, wie eine eigene Wohnung, Miete und Steuern funktionieren.
Auch bei der Nachwuchsförderung im Handwerk sieht Perner Verbesserungsbedarf. Mit Blick auf seine eigene Ausbildung kritisiert er die damalige Unterbringung im Wohnheim: Ein Fünf-Mann-Zimmer sei nicht mehr zeitgemäß.
Beim Jugendklub beobachtet er zugleich Veränderungen. Während sich Jugendliche früher am Wochenende dort getroffen, anschließend aber auch gemeinsam aufgeräumt und geputzt hätten, würden viele heute lieber zu Hause in Gruppen bleiben. Um den Fortbestand des Klubs sorgt sich Perner deshalb: „Das schläft gerade ein wenig ein.“
In zehn Jahren sieht er sich wahrscheinlich doch häufiger am Schreibtisch – als Chef im Büro neben seinem Vater. Die Übernahme des Betriebs sei von Anfang an vorgesehen gewesen. Beim Karneval und bei der Feuerwehr möchte er trotzdem aktiv bleiben. Für die Feuerwehr erwartet er bis dahin ein neues großes Gerätehaus. Und auch der Karneval soll weitergehen: „Gerade der Karneval läuft hoffentlich in zehn Jahren auch noch“, wünscht sich Perner.